Wasserstoffperoxid zur Desinfektion und Reinigung von Wunden

H2O2 zur Wunddesinfektion

Ich habe mich vor kurzem mit einem Bekannten darüber unterhalten, dass seine Mutter früher immer seine frischen Wunden mit Wasserstoffperoxid behandelte. Ich war mir nicht sicher, ob das wirklich sinnvoll ist und habe mich deshalb intensiv mit dem Thema befasst. Die Antwort ist ein klares Jein, denn H2O2 eignet sich ideal zur Desinfektion, kann aber zwischen gesunden und kranken Zellen nicht unterscheiden.

Eignet sich Wasserstoffperoxid zur Desinfektion und Reinigung von Wunden? Wasserstoffperoxid kann im Notfall zur ersten Reinigung und Desinfektion verschmutzter Wunden eingesetzt werden. Danach sollte man andere Substanzen nutzen, da H2O2 die Wundheilung verlangsamt.

Eine frische, verschmutzte Wunde kann also mit Wasserstoffperoxid behandelt werden. H2O2 ist ein sehr effektives Mittel gegen Bakterien, Viren und Pilze und kann die Wunde somit durchaus reinigen. Das Problem ist jedoch, dass das Mittel nicht zwischen gesunden und ungesunden Zellen unterscheidet und quasi einfach alles aus dem Weg räumt, was sich ihm in den Weg stellt.

 

Wie Wasserstoffperoxid Bakterien bekämpft und warum es trotzdem nicht die beste Option ist

Wasserstoffperoxid bricht die Zellmembran von Bakterien auf, indem es Elektronen anzieht. Die typische Bläschenbildung, die entsteht, wenn man H2O2 auf eine Wunde gibt kommt von dem Enzym Katalase, dass mit H2O2 reagiert. Dabei wird Sauerstoff freigesetzt. Wasserstoffperoxid tötet Bakterien somit effektiv ab.

Doch auch bei gesunden Zellen findet der oben beschriebene Prozess statt: H2O2 zieht Elektronen auch aus den Membranen gesunder Zellen an, wodurch diese absterben. Dann reagiert es mit der Katalase in den Zellen und es kommt zur Bläschenbildung. Der oxidative Schaden, der durch die Behandlung von Wunden mit H2O2 entsteht, verlangsamt die Wundheilung. Außerdem wird dadurch das Risiko einer Narbenbildung erhöht.

Die meisten Ärzte empfehlen daher nicht, dass Wunden mit Wasserstoffperoxid behandelt werden sollten. Generell sollten antiseptische Substanzen wie Alkohol oder Jod nicht zur Selbstversorgung von Wunden eingesetzt werden. Denn auch diese Mittel sind zwar effektiv, zerstören aber auch das gesunde Gewebe, verlangsamen den Heilungsprozess und können zu Narbenbildung führen.

Wenn man jedoch gerade nichts anderes zur Hand hat, dann ist Wasserstoffperoxid anderen Antiseptika zur Erstversorgung einer verschmutzten Wunde vorzuziehen. Denn es ist sicherer als beispielsweise Alkohol. Um den Heilungsprozess nicht zu verzögern, sollte man dann aber zur Wundreinigung andere Mittel verwenden.

Im Folgenden erkläre ich dir, wie man eine frische Wunde am besten versorgen sollte.

 

Wie man eine Frische Wunde richtig behandelt

Kleinere Wunden, Kratzer oder Schrammen, die nicht zu stark bluten, können selbst behandelt werden. Die folgenden Schritte sollten dabei beachtet werden:

  1. Vorbereitung: Wasch deine Hände gründlich und trockne sie vollständig ab. Trage wenn möglich Einmalhandschuhe. Falls du eine andere Person behandelst, solltest du genau erklären, was du machst und dafür sorgen, dass sie sich hinsetzt oder hinlegt.
  2. Spüle die Wunde gründlich mit lauwarmem Leitungswasser für 5-10 Minuten aus.
  3. Kleinere Schmutzpartikel können selbst mit einer Pinzette entfernt werden. Größere Steinchen oder Schmutzpartikel solltest du nicht selbst entfernen. Hier solltest du dich an einen Arzt wenden.
  4. Gleich nach der Reinigung muss die Wunde desinfiziert werden. Hier ist ein spezielles Wunddesinfektionsmittel zu empfehlen. Wasserstoffperoxid ist nur im Notfall zu verwenden.
  5. Danach muss die Wunde mit einem Pflaster zugeklebt werden. Bei größeren Verletzungen kann eine sterile Kompresse auf die Wunde gelegt und mit einer elastischen Mullbinde befestigt werden.

 

Wann sollte man zum Arzt?

In einige Fällen ist es besser, einen Arzt aufzusuchen, um eine Wunde entweder direkt nach der Verletzung oder bei einer späteren Infektion zu behandeln. in den folgenden Fällen solltest du dich an einen Arzt wenden:

  • Die Wunde hört nicht auf zu bluten.
  • Die Wunde ist sehr groß oder tief.
  • Es sind größere Schmutzteile oder Fremdkörper in der Wunde.
  • Es schmerzt zu sehr, wenn man die Wunde selbst reinigen möchte.
  • Die Wunde befindet sich in der Nähe einer Arterie oder eines Knochen.
  • Die Verletzung ist durch einen Biss, entweder durch ein Tier oder durch einen Menschen, entstanden.
  • Es gibt Anzeichen einer Infektion: Schwellungen, sich ausbreitende Rötungen um die Wunde oder Eiter sind Anzeichen einer Infektion.

 

Tipps um die Wundheilung auf natürliche Weise zu beschleunigen

Die Wunde sollte wie beschrieben nicht dauerhaft mit  Wasserstoffperoxid behandelt werden, sondern nur bei Erstversorgung und nur falls kein spezielles Desinfektionsmittel vorhanden ist. Danach würde der Einsatz von H2O2 mehr schaden als helfen.

Es gibt verschiedene Faktoren, um die Wundheilung zu fördern. Manche davon, wie das Alter, können nicht beeinflusst werden. Bei jungen Menschen heilen Wunden deutlich schneller. Andere Faktoren können aber in jedem Fall zu einer schnelleren Heilung beitragen:

  • Die Wunde sollte keimfrei bleiben und die Wundränder nicht unter Spannung stehen.
  • Die verletzte Stelle sollte ruhig gestellt und am besten erhöht gelagert werden.
  • Eine gute Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen ist außerdem förderlich.
  • Darüber hinaus tragen Wärme, Feuchtigkeit, Vitamine und Zink zur Wundheilung bei.